„Umweltschutz ist Heimatschutz“, so besagt eine nur allzu bekannte Parole der Neonazis – und ebendieser wird vonseiten gewisser antiökologischer Kräfte gerne zitiert, um zu „beweisen“, dass Ökologie und Faschismus quasi untrennbar miteinander verbunden seien und im Kern doch irgendwie „das Gleiche“.
Tatsächlich aber verwenden Neonazis 1) öfter Phrasen ebendieser antiökologischen Kräfte als dass sie tatsächlich ökologische Forderungen übernehmen würden und ist 2) „Ökofaschismus“ als eine konsequent (und also nicht nur theoretisch) ökologische Weltanschauung aufgrund faschistischer Prämissen eine reine Unmöglichkeit – eben hierauf will ich hier eingehen. Ich werde aber auch 3) das verfälschte Kapitalismusverständnis der Neonazis kurz anschneiden müssen, um zu zeigen, dass sie die eigentlichen Ursachen der momentanen ökologischen Katastrophe weder erkennen, noch zu beseitigen gedenken.
1) Der Klimawandel als „Verschwörung“ – auch bei Neonazis.
Dass der Klimawandel vom Menschen absolut „unbeeinflusst“ sei und also CO2 und andere vom Menschen und von der Industrie produzierten Gase keinen verändernden Effekt auf das Klima und den natürlichen Wandel haben ist keine neue „Theorie“. Nach dieser Theorie steckt hinter den grünen Parteien, der Umweltbewegung und jeglicher Forderung nach CO2-Reduzierung eine ominöse gigantische „Klimalobby“ (wobei nicht bedacht wird, dass die fehlende Rücksichtnahme auf Umwelt und Klima einer viel größeren und v.a. bereits bestehenden Industrie nützt, die weitaus „lobby-erprobter“ ist).
Nun möchte man natürlich denken, dass eine solche Theorie v.a. von solchen Menschen unterstützt wird, die Umweltschutz auch als leere Phrase ablehnen. Aber auch die Neonazis, die Umweltschutz mit „Heimatschutz“ gleichsetzen, haben so ihre Probleme mit der „Klimalobby“, wie man recht oft in rechten Foren und Nachrichtenportalen nachlesen kann.
Nicht dass den Nazis prinzipiell Verschwörungstheorien fremd wären (jüdische und/oder kommunistische Weltverschwörungen sind für sie ja schon die Regel, wenn auch heute meist unter dem Label „Freimaurer“ versteckt), aber eine gewisse Inkonsequenz muss man ihnen hier einfach schon inhaltlich (soweit man die Parole „Umweltschutz ist Heimatschutz“ überhaupt Inhalt nennen kann) vorwerfen, wie ich auch im Folgenden darlegen werde:
Für die Verbreitung solcher Verschwörungstheorien kann man v.a. das neofaschistische Altermedia-Nachrichtenportal zitieren, das regelmäßig solche Verbalergüsse von sich gibt. Aber auch im rechtsorientierten „NID Infoblog“, der zuweilen Attribute einer „Querfront light“ aufweist (verlinkt werden sowohl neonazistische, rechtspopulistische, wie auch islamistische Seiten, sowie Jürgen Elsässers „Volksinitiative), wo man gar vom „Klima-Krieg gegen Deutschland“ spricht und eine ominöse „Klima-Mafia“ erwähnt, die wohl in dem rechten Weltbild die Fäden der gesamten Weltpolitik und -wirtschaft zu ziehen scheint.
Neben einigen in den Tiefen des Internets – oder auf Neudeutsch: „Weltnetz“ – verlorenen Verschwörungsseiten, die allenfalls einige wenige eingefleischte Neu- und Altnazis interessieren werden finden sich aber ähnliche Behauptungen auch auf Seiten der „etablierten“ Nazipartei(en), so etwa auf der Seite des Landesverbandes der NPD in Bayern: hier wird behauptet, man würde mit Hilfe der postulierten „Klimalüge“ versuchen, der Welt ein autoritäres Regime aufzuzwingen, eine „Neue Weltordnung“ also.
Dabei lamentieren die bayrischen Neonazis auch darüber, dass man sie als Verschwörungstheoretiker abstempelt, „nur“ weil sie glauben, dass eine Handvoll Menschen die gesamte Welt kontrollieren und die Theorie des durch den Menschen beschleunigten Klimawandel dazu benutzen würde, die Menschheit, und natürlich besonders die Deutschen, zu versklaven. Als Leugner des Klimawandels scheint die NPD Bayern v.a. auf eines aufmerksam machen zu wollen: sie brechen „Tabus“. So beschwert man sich auch gleich über andere „Tabus“ der Gesellschaft: „Gehörten dazu in der Vergangenheit fast ausschließlich historische Vorgänge, wie die Kriegsschuldfrage oder Art und Umfang der Judenverfolgung, rücken zunehmend aktuelle Themen in die Tabuzone. So gilt als Verschwörungstheoretiker, wer auf die zahllosen Unklarheiten und Widersprüche der Anschläge des 11. September 2001 aufmerksam macht.“ Man will sich hierbei also in erster Linie als „Tabubrecher“ profilieren, als jemand der sagt was „andere denken“.
Aber nicht nur das: bei all diesen Verschwörungstheorien gibt es eine Gemeinsamkeit – es wird eine mysteriöse Gruppe von Personen dahinter vermutet, die nie so ganz genau definiert wird, weil sie laut auszusprechen Reaktionen auslösen würde, die zum gnadenlosen Untergang der NPD führen würde. Deshalb wird diese ominöse Gruppe der Weltbeherrscher einfach geographisch verortet: die „Ostküste“ der USA – die auch von der NPD Bayerns in ihrer Stellungnahme zum „Klimaschwindel“ erwähnt wird. Dies ist nicht mehr als eine Umschreibung für die Bevölkerungsgruppe, die für Neo- und Altnazis aller couleur schon seit jeher den Sündenbock par excellence darstellt: die Juden. Die Ostküste der USA wird von neonazistischen Verschwörungstheoretikern als besonders „jüdisch“ angesehen und, weil sich die Börse von Wallstreet dort befindet, deshalb auch als das „Machtzentrum“ der sogenannten „Globalisten“.
Man kann also daraus schließen, dass die Leugnung der menschlichen Verantwortung am Klimawandel für die Neonazis vor allem 2 Zwecke hat:
a. Sie können sich wieder als „Tabubrecher“ und „Freigeister“ profilieren.
b. Durch die Hintertür kann wieder einmal der „jüdischen Weltverschwörung“ die Schuld für alles Übel in die Schuhe geschoben werden.
2) Der Mythos vom „nationalen“ Umweltschutz.
„Umweltschutz ist Heimatschutz“, so sagte einmal Safet Babic, Stadtratsmitglied der NPD in Trier. Auch sein „Kamerad“ Martin Auler, ein bekannter Trierer Neonazi, NPD-Mitglied und ebenfalls Student an der Karl-Marx-Universität Trier, hat sich bereits im Querfrontmagazin „Fahnenträger“ für nationalen „Umweltschutz“ ausgesprochen. Dabei widerspricht er aber Babics Floskel „Umweltschutz ist Heimatschutz“, da solche Phrasen „den Blick für die gesamte Dimension des Problems leider allzu oft versperren“ würden. Auler spricht dabei, im Gegensatz zu seinen „Kameraden“, nicht vom „Klimaschwindel“ – es fallen Begriffe wie „ökologisch nachhaltige Entwicklung“, es wird vom „Wachstumswahn“ geredet und von einem „emanzipatorischen Nationalismus“, der die Lösung für das Problem darstellen soll.
Von den paranoiden Verschwörungstheorien, die oben bereits behandelt wurden, ist hier in der Tat nichts zu spüren. Das heißt aber keineswegs, dass sich Auler nicht in der üblichen neonazistischen Phrasendrescherei verlieren würde: so betont er, ganz nach „ethnopluralistischer“ Manier, dass „nichts […] einer nationalistischen Weltanschauung ferner“ liege als „rassistisches Überlegenheitsdenken“ und redet vom „lebensrichtigen Menschenbild“ – ein Zurück zum „natürlichen“ Weltbild der „traditionellen Familie“; Mann als „Versorger“, Frau als Dienerin und Gebärmaschine und möglichst viele Kinder. Der etwas andere „Naturschutz“ …
Etwas befremdlich wirkt auf den ersten Blick allerdings seine Betonung der „globalen Verantwortung“ des Nationalismus. Doch ist das nicht wirklich verwunderlich in Zeiten, in der Faschisten ihre „Liebe“ zu andern Völkern entdecken und angebliche Solidarität mit diesen dazu instrumentalisieren, ihre rassistische Ideologie zu verbreiten. V.a. wird die „globale Verantwortung“ von Auler keineswegs näher erläutert. Er benennt zwar den Wachstumsfetisch als Ursache und beschreibt einige mögliche Maßnahmen gegen die ökologische Katastrophe (auch wenn sie nicht unbedingt so konkret sind), doch verkennt er eine Tatsache: Ökologie ist mit Nationalismus nicht vereinbar – Umweltschutz ist nicht „Heimatschutz“: er ist ein globales, ein internationales Problem!
Ein Nationalismus aber propagiert die Autarkie der einzelnen Nationalstaaten und ihre bedingungslose Unabhängigkeit, die keineswegs durch internationale Institutionen oder gar internationale Solidarität beschnitten werden dürfte. Da das Umweltproblem ein globales ist, muss eben auch die Lösungsfindung global sein. Sicher könnten selbsternannte „Nationalökologen“ auf nationaler Ebene für saubere Flüsse sorgen, Atomkraftwerke abschalten, auf Kohleabbau größtenteils verzichten – aber davon abgesehen, dass die NPD dies nicht vorhat, geht die Klimakatastrophe ja sehr viel weiter als das.
Jahr für Jahr wird auf internationaler Ebene mehr und mehr Energie verbraucht und v.a. auch mehr und mehr Schmutz in die Atmosphäre und in die Ozeane gepumpt. Der durch den Menschen beschleunigte Klimawandel ist kein Problem, das sich auf das Gebiet der BRD reduzieren lässt – und so wäre es natürlich unsinnig, diesen auf nationaler Ebene aufhalten zu wollen! Es bräuchte also eine globale Regelung des Umweltschutzes – was aber wiederum massiv gegen „nationale Interessen“ und gegen die „absoluten“ Souveränitätsrechte verstößen würde, die die selbsternannten Ökofaschisten postulieren. Somit ist also wirkliche „ökologisch nachhaltige Entwicklung“ niemals möglich in einem isolierten Nationalstaat und somit mit den isolationistischen Inhalten einer NPD oder sonstiger Faschismen absolut unvereinbar – Faschismus kann nicht ernsthaft ökologisch sein.
3) Kapitalismus und Wachstumswahn als Ursache.
Es bleibt noch zu erläutern, warum ein Faschist die Ursache der ökologischen Krise teilweise begreifen kann, jedoch nicht die Lösung derselben herbeizuführen vermag. Dies ergibt sich ganz einfach aus dem verfälschten und verkürzten Kapitalismusbegriff der Rechten. So mag ein Rechter den „Kapitalismus“ für Umweltverschmutzung verantwortlich machen; dabei liegt aber eine falsche Definition des Begriffs zugrunde.
So etwa erwähnt Martin Auler im oben erwähnten Text, dass der dem Kapitalismus zugrunde liegende Wachstumswahn im Grunde die ökologische Krise verursacht – doch geht er von eben diesem rechten Kapitalismusbegriff aus. Hierbei wird zwischen „schaffendem“ („deutschem“) und „raffendem“ („jüdischem“) Kapital unterschieden: das „raffende“ Kapital fasst Finanzkapital, Zinserträge und ähnliches zusammen, das „schaffende“ Kapital ist v.a. industrielles Kapital. Das „raffende“ Kapital wird hierbei als „destruktiv“ gebrandmarkt und wird somit zum Verursacher der ökologischen Krise stilisiert: es zwinge dem „schaffende“ Kapital die Wachstumslogik auf und korrumpiere somit die „Volksgemeinschaft“, in der verschiedene ökonomische Klassen „kooperieren“ sollen.
Dieses Weltbild ist zutiefst elitär (die Klassengesellschaft soll bestehen bleiben) und greift keineswegs die Wurzeln des Kapitalismus an: der Mehrwert nämlich steht nach faschistischem Verständnis durchaus dem Unternehmertum zu und nicht der Arbeiterschaft. V.a. aber begreift dieser verfälschte Kapitalismusbegriff die Mechanismen nicht, die jeder Form von Kapital inhärent sind – und somit wird im Endeffekt keineswegs mit der unökologischen Wachstumslogik gebrochen! Es wird nur die Illusion geschaffen, man bräuchte nur das Finanzkapital auszuschalten, um sowohl ökologische wie auch soziale Katastrophen abzuwenden.
Dass aber auch bei „entmachtetem“ Finanzkapital die Umweltverschmutzung keineswegs abnimmt, kann man heute auch in den arabischen Staaten sehen, bei denen Zinsen verboten sind. V.a. Saudi-Arabien, wo das islamische Recht Zinsen verbietet, ist in Sachen Umweltverschmutzung und auch in Sachen antiökologischer Lobbyismus schwer zu überbieten: immerhin handelt es sich um einen der größten Ölexporteure. Damit diese Ölexporte aber nicht zu schnell abebben, ist es auch nur logisch, dass Saudi-Arabien möglichst lange von Ölbohrungen profitieren will und somit kein Interesse daran hat, Wirtschaftswachstum zurückzuschrauben oder alternative Fortbewegungsmittel zu erforschen.
4) Fazit.
Es lässt sich daraus schließen: „Ökofaschismus“ ist nur ein theoretischer Exkurs der radikalen Rechten – tatsächlich aber ist Ökologie mit Faschismus, also mit faschistischer Wirtschaftstheorie, wie auch mit dessen nationalem Isolationismus niemals vereinbar. „Ökofaschismus“ und „Ökonationalismus“ sind Widersprüche in sich und in der Praxis unmöglich. Umweltschutz ist nicht Heimatschutz; Umweltschutz heißt, die gesamte Erde zu schützen.
Anderen Strömungen des Faschismus geht es gar nicht erst darum, Umweltbewusstsein zu heucheln: vielmehr nutzt man die Klimadebatte, sich selbst als „anders“ darzustellen in Zeiten in denen jede politische Strömung zumindest umweltpolitische Rhetorik teilt.
Und auch ökologischer Antikapitalismus ist nie „national“ – er muss in seinen Ansprüchen global, international sein, da ansonsten nur lokaler Umweltschutz gewährleistet werden kann, der aber den umweltpolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht gerecht werden kann.





